
Lemusa Mission Kaki
von Samuel Herzog
Im Frühling 2026 bringt der Verlag Existenz und Produkt in Zusammenarbeit mit der Mediathek der FHNW ein historisches Netzkunstprojekt in Buchform heraus: Mission Kaki verfolgt in gut 600 Videoclips und ebenso vielen Texten die Bemühungen des Geheimagenten Hektor Maille, seine Heimat, die fiktive Insel Lemusa, vor einem ungewissen Schicksal zu bewahren.
Im Herbst 2008 lancierte der Kulturhistoriker und Netzkunstpionier Reinhard Storz eine In- ternetpublikation mit dem Titel Beam me up, die kulturtheoretische und naturwissenschaftliche Essays mit netzbasierten Kunstwerken zusammenführte. Im Editorial zum Projekt schrieb Storz: «In der Onlinepublikation Beam me up stellen wir die Frage nach unserem heutigen, durch die Medien erweiterten Raumverständnis. Was Cyberspace und virtuelle Realität genannt wird, eröffnet die vage Vorstellung eines nur als symbolisch gedachten Raumes, der schließlich auch zum Ort realer Präsenz und Handlung wird. ‹Beam me up, Scotty› – diese populär gewordene Aufforderung aus der Science-Fiction- Serie Star Trek enthält als poetische Zauberformel die Vorstellung einer Transzendenz zwischen unterschiedlichsten Raumqualitäten.» Nach zwei Jahren der Recherche wurde das Projekt in Zusammenarbeit mit Annette Schindler als Ausstellung für das [plug.in] aufbereitet, das (spätere) Basler Haus für elektronische Künste (14.Januar bis 15.März 2010).
Der Künstler Samuel Herzog trug zu Beam me up eine Spionagegeschichte mit dem Titel Mission Kaki bei, die in zwanzig Episoden zwischen November 2008 und August 2011 auf dem Netz publiziert wurden. Jede Episode besteht aus ungefähr zwanzig meist sehr kurzen Videoclips mit dazugehörigen Texten unterschiedlicher Länge. Diese Texte erläuternd, was auf den Bildern geschieht und stellen den Zusammenhang zur übergeordneten Erzählung her. Protagonist der Geschichte ist Hektor Maille, der beste Mann des lemusischen Geheimdienstes. Auf der Suche nach einem entführten Professor reist er kreuz und quer über den Planeten. In der Rolle des Geheimagenten tritt Herzog selbst auf, mit Hut, Hemd und schwarzer Brille.
Wie bewegt sich ein Geheimagent durch Raum und Zeit? Was unter- scheidet ihn von anderen Reisenden oder Touristen? Wo fährt er hin? Wie findet er sich in der Fremde zurecht? Wann ist er einsam? Warum hat er Angst? Wann langweilt er sich? Und was braucht es, damit er seinen Auf- trag erfüllen kann?
Das Projekt dokumentiert in zeitlich linearer Form, wenn auch in Gestalt einer Spionageerzählung, Samuel Herzogs Reisen vor allem in den Jahren 2008 und 2009. Herzog baute in diese Erzählung diverse Elemente ein, die Eigenheiten des Internet nutzen, namentlich den Hyperlink, der im Netz Bewegungen möglich macht, die der Teleportation in der Serie Star Trek sehr ähnlich sind. So hat der Geheimagent (und mit ihm die Leserin oder der Leser) ab und an die Möglichkeit, sich aus seiner Geschichte heraus in eine ganz andere Realität zu ‹beamen› – und wieder zurück. Neben diesen Eskapaden hat Hektor Maille in jeder Episode auch einmal die Gelegenheit, durch das Abflussrohr einer Badewanne zu verschwinden, um in irgendeiner anderen Szene wieder aufzutauchen (Maille-Mobil). Jede Episode wird zudem von einem eigenen Trailer beworben und von diversen Rezepten begleitet, die typisch sind für die Küche des jeweils bereisten Landes.
1. Auflage: April 2026
Gestaltung: Textwerft, Zürich
© 2024 Existenz und Produkt, Basel
ISBN 978-3-907364-23-9
Existenz und Produkt ist das Verlagswesen für Künstlerinnen*